Saturday, 10. october 2009
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18:17
Da ich leider nicht lange im Internet bleiben kann, weil wir hier nur eine Notverbindung haben, schreibe ich kurz in meinen Blog, was ich vorher auf meinem Laptop schrieb, damit sich keiner Sorgen
machen muss, weil ich eigentlich in Deutschland überfällig bin. Ich wäre verdammt gerne in Deutschland, aber leider wird es noch etwas dauern. Wenn sich die Schäden nicht noch erhöhen und das
Wetter endlich zur Ruhe kommt , werden wir so in etwa 14 Tagen hier abziehen können.
Hier ein kurzer Lagebericht:
Taifun Ondoy und Parma und Tropensturm Ketsana
Wir sind am 28. September mit voller Notausrüstung nach Chiang Mai in Thailand geflogen, wo wir in eine Transportmaschine umgestiegen sind, die voll beladen mit Hilfsgütern, Zelten, Decken, Pumpen
und Medikamenten beladen war. An Bord war noch ein Suchtrupp des Roten Kreuzes. Durch die Flutkatastrophe in Nepal hatte ich schon eine Ahnung was mich auf den Philippinen erwarten würde. Aber es
kam viel viel schlimmer. Hinter mir liegen 10 Tage in denen ich kaum zum schlafen gekommen bin.
Der erste Zwischenstopp war in Da Nang in Vietnam. Hier trafen weitere Transportmaschinen ein, die auf eine Landegenehmigung für den Flughafen Chiang Mai warteten. Ketsana soll Richtung Vietnam
unterwegs sein, keiner konnte genau sagen, was wir hier machen und wie es weiter geht. Nach 5 Stunden Warten kam dann endlich die Genehmigung von der Philippinischen Regierung und die
Koordinierungsstelle schickte uns nach Tuguegarao, wo die Not noch größer, als in Manila sein sollte. Der Flug war alles andere als angenehm, wir merkten deutlich Turbulenzen und trotz der
Tageszeit war es ziemlich dunkel um uns herum.
Beim Anflug auf Tuguearao sahen wir von sehr weitläufig, dass viel Städte total unter Wasser standen. Die Dächer der Häuser waren abgedeckt und das totale Chaos wurde immer deutlicher, je näher wir
an die Küste kamen. Gleich nach der Landung wurden wir von einem kanadischen Helfer begrüßt. Die Helfer aus Kanada waren schon vor einigen Stunden angekommen und hatten die Lage sondiert und uns
die Pläne des philippinischen Krisenstabs erklärt. Danach mussten wir uns erstmal um Transporter kümmern. Es war ein wahnsinniges Durcheinander auf dem Rollfeld des Flughafens und kein Mensch
wusste eigentlich genau wer was macht. Wir sollten mit Fahrzeugen der Armee abgeholt werden und mussten noch das ganze Flugzeug leer räumen. Bis die kamen, haben wir im Flugzeug etwas geschlafen
und als die endlich mitten in der Nacht mit ihrer Konvoi an unserer Maschine anhielten, haben wir mit dem Koordinierungsoffizier erst mal umständlich klären müssen, was auf welche Wagen verladen
werden soll und in welches Gebiet was gefahren wird. Ich hab mich zum Zeltbau gemeldet. Das ist im Landesinneren, dahin werden die Menschen aus der Stadt geschickt.
Es war Vormittag, als wir endlich alles umgeladen hatten. Der Konvoi kam nur sehr langsam voran. Das Wasser reichte oft bis an die Unterkante der Ladefläche. Wegen der vielen unpassierbaren Straßen
mussten wir immer wieder umkehren. Die Fahrer hatten trotz Funkverbindung alle Mühe einen Weg zu finden. Unterwegs sind wir an den vielen aus der Stadt fliehenden Menschen vorbeigefahren. Ich
erinnerte mich an die Kriegsfilme aus dem Fernsehen, wo ich auch schon solche fliehenden Menschenmengen sah. Hier ging es für viele um das nackte Überleben. An den Straßenrändern sah ich viele
Leichensäcke liegen. Auch in unserem Konvoi fuhr ein Wagen mit, der nur diese Säcke geladen hatte. Wir konnten dann nicht mehr weiter fahren und mussten wieder warten, bis wir mit Hubschraubern
abgeholt wurden, die unten die Ladung aus den LKW's dran hängten. Dieser Transport dauerte bis in die frühen Morgenstunden.
Als wir an der Stelle an kamen, an der nach dem Wunsch der Regierung ein Flüchtlingslager aufgebaut werden sollte, ging alles ziemlich schnell. Als erstes halfen wir alle beim Aufbau des
Notlazarett und dann bauten wir die Grundversorgung auf, bevor wir die einzelnen Zelte aufbauen konnten. Das Militär half uns dabei. Aus allen Teilen der Welt sind hier Menschen, damit über 1
Millionen Menschen die von der Katastrophe betroffen sind, Hilfe bekommen. Die Hubschrauber bringen ständig Hilfsgüter vom Flughafen und immer wieder auch Menschen, die hier eine Notunterkunft
bekommen. Nach 5 Tagen hatten wir die erste Zeltstadt fast fertig aufgebaut. Nachts im Licht der vom Generator betriebenen Scheinwerfer arbeiten wir weiter. Immer mehr Philippinos helfen uns. Aber
es regnet ohne Unterbrechung und es weht immer noch so ein starker Wind, der alles sehr erschwert. Es gibt keine Telefonverbindung, Strom nur über die THW Generatoren und einen Internetzugang haben
wir nur über Satellit den wir nur in dringenden Fällen nutzen dürfen.
Das war mal ein erster Bericht von den Phillipinen. Wenn ihr etwas in den Nachrichten hört, wir sind im Landesinneren, ca. 50 km von der Küste weg. Eine unmittelbare Bedrohung durch einen Tsunami
besteht nicht. Bleibt nur die Hoffnung, die Insel möge vor weiteren Stürmen verschont bleiben.
Allen einen lieben Gruß in die Heimat!