Artikel teilen! Die letzten Monate: New York ist eine aufregende Stadt, man kommt kaum dazu etwas anderes zu machen, als zu leben. Es ist sehr komisch. Ich mag d ...
New York ist eine aufregende Stadt, man kommt kaum dazu etwas anderes zu machen, als zu leben. Es ist sehr komisch. Ich mag die Stadt nicht, weil sie mich meiner Individualität beraubt und ich
liebe sie, weil ich abgelenkt werde von ganz vielen Gedanken und sie mir wenig Zeit lässt, über viele Dinge nachzudenken. Sie fördert hemmungslos Oberflächlichkeit.
Jetzt bin ich ein paar Wochen hier und hab mich besser als bei meinem ersten Aufenthalt eingelebt. Wahrscheinlich liegt es an den Freunden, die ich inzwischen hier fand und an meiner Einstellung,
die mir manchmal Angst macht. Ich blicke nicht mehr so tiefgründig hinter die Fassaden sondern sehe das alle etwas lockerer. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich soviel Elend gesehen habe und
das jetzt gerade nicht in Erinnerung haben möchte.
Na egal, ich wollte ja zwischen drin mal wieder kurz schreiben, was ich alles erlebt habe und wie es weitergeht.
Haiti war die letzten Wochen längst nicht mehr so schlimm, wie im Januar, Alles hat sich etwas normalisiert, auch wenn die Häuser weg sind und überall noch Aufräumarbeiten das Stadtbild
bestimmen. Das ganze Ausmaß der Katastrophe ist neben den materiellen Verlusten jetzt eher im menschlichen Bereich sichtbar. Wahnsinnig viele Familien die auseinander gerissen wurden. Unzählige
Sammelstellen für Kinder, die keine Eltern mehr haben und die versorgt werden müssen. Hier haben wir von Port-au-Prince die strategische Arbeit gemacht, quasi den Notstand verwaltet und die
Hilfsgüter eingeteilt. Von den großen Hilfsdienste, die kurz nach dem Beben Bergungsarbeiten machten und bei den ersten Aufräumarbeiten halfen, sind fast alle abgereist. Das internationale Rote
Kreuz ist noch vor Ort und viele kleine Unicef nahestehende Organisationen. In Haiti gibt es wieder Wasser, Strom, Telefon und Internet. Für die meisten Menschen in Sammelstellen, was auch
noch viele Monate so gehen wird, bis die ersten neu erbauten Häuser wieder beziehbar sind. In unserem Lagezentrum wird aber gerade wieder ein Notfallplan ausgearbeitet, weil für Haiti schwere
Unwetter und Regen vorhergesagt sind und die Notunterkünfte dafür nicht ausgelegt sind.
Das Hilfe gegen Arbeit Projekt der UN gibt vielen eine Beschäftigung. Wer sich an Aufräumarbeiten beteiligt bekommt pro Tag bis zu 5 Dollar. Es war ein angenehmes arbeiten. Wir hatten am
Flughafen unsere Leitstelle und auf einem Passierschiff im Hafen von Port-au-Prince unsere Kabinen. Diesmal mussten wir nicht in Zelten schlafen und hatten auch wesentlich mehr Freizeit. Ich
hatte sogar einige Tage Urlaub bekommen und konnte meinen Geburtstag mit Tim in Santo Domingo feiern. Die aktuellen Zahlen machen vielleicht deutlich, welche großen Anstrengungen bis zu einem
normalen Leben noch unternommen werden müssen. 1,5 Millionen Menschen leben immer noch auf der Straße und 15 Millionen Kubikmeter eingestürzter Häuser müssen beseitigt werden. Das sind
unvorstellbare Mengen.
Nach Haiti musste ich wieder zu meinem Kurs nach NY. Vielleicht interessiert es ja jemand, was man da so lernt. Ich bin bei der Organisations Einsatzgruppe für Katastropheneinsätze. Das bedeutet
man muss alle Möglichkeiten kennen, möglichst schnell und effektiv Hilfe leisten zu können. Angefangen bei den ersten Maßnahmen der Lebensrettung mit Erstversorgung über kurzfristige
Sicherstellung der Grundversorgung. Aufbau einer Versorgungskette, Koordinierung von Hilfsdiensten und Zusammenarbeit mit Regierungsstellen und den militärischen Länderhilfen. Der Eigenschutz und
die Sicherung der Hilfseinrichtungen sind auch ziemlich umfangreiche Themen. Das ist alles sehr detailliert in unseren Handbüchern zum Nachschlagen beschrieben. Man muss es aber erst lernen
um die Prioritäten einschätzen zu können. Erstaunlich ist, dass für alle Regionen der Welt Notfallszenarien durchgespielt werden an denen auch die Länder beteiligt werden. Die funktionieren auch
meistens recht gut. Bei größeren Katastrophen, wie auf den Philippinen, war der UN Hilfseinsatz unterstützend. Für Haiti war er wegen der zusammengebrochenen Infrastruktur und dem laufenden
Friedensmandat in einer ganz anderen Dimension.
Alle diese Feinheiten lernt man. Dazu durften wir in die Einsatzzentralen und die Koordinierungsarbeit, jetzt gerade aktuell für Somalia Haiti und Sudan, mit verfolgen. Das ist allerdings
teilweise Katastropheneinsatz, die Bedingungen sind wegen den Unruhen wesentlich schwieriger, als wenn man auf Leute trifft, die dankbar jede Hilfe annehmen.
In Dafur werden aktuell die Hilfsorganisationen nicht ins Land gelassen und die UN-Friedenstruppe sehr stark in ihrer Arbeit behindert. Über den Zustand erfährt man wahrscheinlich in den
deutschen Nachrichten wenig, da er fast Alltag geworden ist. Hier wird aber stündlich in Zusammenarbeit mit Genf koordiniert und es werden gerade viele Einsätze abgebrochen, weil die Sicherheit
der Mitarbeiter in höchstem Maß gefährdet ist.
Das ist so kurz beschrieben, was man alles wissen muss, wenn man im Organisationsstab in Katastrophengebieten arbeiten will.
Am 23. Juli hatte ich dann endlich die Gelegenheit mit einem Freund zu einem Adam Lambert Konzert ins Nokia Theater zu gehen. Erst mal fiel mir auf, dass die Band wirklich toll war. Der Sound
haute richtig rein. Mich hat Allison Iraheta nicht so interessiert und auch Orianthi waren eigentlich nur Pausenfüller für mich, aber ihre Auftritte waren als Support nicht schlecht. Beide
Konzerte in NYC waren schon seit Wochen ausverkauft.
Wir hatten über eine Stunde gebraucht, bis wir drin waren. Erst wollten wir noch ein Video aufnehmen, aber die Beleuchtung war so schlecht, da brachte es nichts. Wir stand fast direkt im
Scheinwerferlicht und die Kamera zeigte ständig auf Überbelichtet. Ein Freund hat von weiter hinten Aufnahmen gemacht, die waren aber auch nicht viel besser. Angefangen hat es mit einem Video auf
der Videowand hinter der Bühne und dazu lief For your Entertainment mit Bildern von Adam. Dann wurde es dunkel und blitzte und in der Dunkelheit sah man das sich die Band aufstellte und anfing zu
spielen und dann..... da stand er auf der Bühne in genau dem Kostüm mit dem Zylinder und legte mit einem Medley mit Songs aus AI los. Die Leute waren nicht mehr zu halten und bei Ring of Fire
ging das dann richtig los. Ich weiß überhaupt nicht mehr, wie oft er sich umgezogen hat. Fast nach jedem Lied verschwand er in der Dunkelheit und die Band spielte weiter.
Monte Pittman, sein Lead Gitarrist, spielt echt unglaublich.... die Gitarrensolos während der Zeit als Adam sich umzog, muss ich extra erwähnen: Selten, nein eigentlich noch nie, habe ich so ein
einen tollen Übergang zu den nächsten Songs gehört. Fever, Sleepwalker, WWFM, Soaked, wenn die Lautsprecher nicht voll aufgedreht wurden, hätte man nichts verstanden. Alle Leute um mich rum
sangen ständig mit. Aftermath, Sure Fire Winners, dazu kam er ganz in schwarzer Lederweste. Music Again war toll. Danach gabs dann eine geile Version von if a had you, mit einem Gitarrensolo
vorher und richtig geilen Tänzern. Bei Strut..... mir fehlen einfach die Worte um diese unbeschreibliche Situation zu erklären. Diese Stimme, die Atmosphäre, diese Ausstrahlung, einfach
unglaublich was ich da in dem Moment erlebt habe. Allein dafür hat sich der Besuch schon gelohnt. Kein Vergleich zum Video. Whole lotta love, wie Adam da mit seiner Weste und nix drunter und den
engen Hosen über die Bühne tanzte, waren die Mädchen total weg, aber auch die Jungs. Er sang den Titel ganz anders, als auf dem Album, aber richtig gut. Die Luft war stickig und durch die
Beleuchtungstechnik war es auch sehr dunkel.
Die Bühnenshow hatte überwiegend Beleuchtungstechnik und Backlights. "Oh my God" war glaub ich der häufigste Satz, den die Fans an diesem Abend schrien, sobald sie das Intro zu einem Titel
hörten. Ich dachte auch immer, es gibt keine Steigerung mehr, aber mit jedem Song wurde es noch besser. Schwer zu sagen, was ich am besten fand. Es war alles toll. Adam und sein Band, dass ist
Weltklasse! So weit oben angesiedelt, da mag ich eigentlich überhaupt nicht mehr über DSDS Teilnehmer diskutieren und die Auftritte ansehen schon überhaupt nicht. Als Zugabe gab es noch einmal
Whole Lotta Love, aber wieder in einer anderen Version im Zusammenspiel mit Monte Pittman. Wir hatten für die Tickets 65 Dollar bezahlt. Ich hätte gern 200 Dollar bezahlt. Jeder Cent wäre es wert
gewesen! Garantiert war es nicht mein letzter Besuch eines Adam Konzertes!
Morgen fliege ich zurück nach Deutschland. Meinen Lehrgang habe ich abgeschlossen, aber alles gelernt immer noch nicht. Wir haben ein gut funktionierendes Netzwerk, das aber auch nur
funktioniert, wenn die Infrastruktur in den betroffenen Gebieten noch funktioniert. Über dieses Netz können wir im Notfall alle Informationen abrufen, schicken die Berichte an die Einsatzzentrale
und können Kontakt zu unseren Angehörigen halten. Dafür haben wir so viele Geräte, mit deren Umgang man sich auch vertraut machen musste. Von der Notstromversorgung bis zu den Ortungsgeräte mit
GPS, Satelitentelefon und Satelliten gestützte Datenübertragung bis zu örtlichen Funknetzen ist in den Notfallcontainern alles drin. Aber echt tolle technische Hilfsmittel, die immer wieder
verbessert werden.
Naja jedenfalls hab ich meine Sachen schon gepackt und meine letzte Nacht werde ich bestimmt nicht so gut schlafen, der Kopf ist so voll mit dem, was ich alles machen will und was mich erwartet,
wenn ich wieder in Deutschland bin. Eins weiß ich aber schon, am nächsten Wochenende werden wir in Scheveningen zu einem Sommercamp fahren und hoffenlich bei gutem Wetter im Meer schwimmen
können.
So das wars mal in Kürze, oder etwas länger geschrieben. Am Freitag früh werde ich mit der ersten Maschine aus Amsterdam ankommen. Da hab ich zwei Stunden Aufenthalt und werde mich fürchterlich
langweilen, da ist es 4 Uhr morgens und bestimmt nix los.
Ich winke mal nach Deutschland und hoffe, es geht euch allen gut!
Klasse Blog!
Gefällt mir sehr.